Leben retten leicht gemacht?

Es ist schon eine Weile her und es ist viel passiert.
Dieser Blog soll nicht nur DIYs enthalten, denn es gibt noch so viel mehr im Leben.
So viele Dinge, die bedeutender und wichtiger sind. Schön und schrecklich zugleich.

2014
Im Fernsehen lief eine Dokumentation über Krebspatienten. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder wurden auf ihrem Weg begleitet. Das hat mich damals sehr getroffen.. Da hab ich dann das erste Mal von der DKMS- Deutsche Knochenmarkspende- gehört. Für mich war sofort klar: das will ich auch.
Ich habe mich damals dann im Internet schlau gemacht und mir direkt ein Set zur Typisierung bestellt.
Und es ist wirklich genau so einfach, wie es in der Werbung immer gezeigt wird. „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein!“
Nachdem ich das Päckchen mit meiner Probe an die DKMS zurückgeschickt hatte, bekam ich meinen Spenderausweis mit meiner eigenen Spendernummer.

Und dann passierte nichts. Gar nichts.
Über die Jahre habe ich fast vergessen, dass ich mich dort registriert hatte. Nur beim Ausmisten meines Geldbeutels stolperte ich über meinen Spendenausweis.


2018
Gerade mitten auf einem Event und in einem „spannenden“ Vortrag bekam ich einen Anruf. Eine Nummer aus Tübingen. Generell gehe ich nicht ans Handy, wenn ich die Nummer nicht kenne oder mir der Anrufer irgendwie spanisch vorkommt.
Es gabs auch schon genug Anrufe aus anderen Ländern, die nur dein Geld wollen..
Jedenfalls konnte ich den Anruf zu dem Zeitpunkt sowieso nicht entgegennehmen. Keine 5 Sekunden später hatte ich eine SMS von der DKMS. Darin hieß es, dass sie mir Post zugesendet hätten und ich mich umgehend melden soll.
Ich dachte nur „okay.. vielleicht hatte der Anruf ja etwas damit zu tun..“
Ich rief also zurück und kam bei der DKMS in Tübingen raus. Die Dame teilte mir dann mit, dass ich zu 80% als Spenderin in Frage komme und stellte mir einige medizinische Fragen. Als sie mich fragte, ob ich bereit dazu wäre, meine Stammzellen zu spenden, war ich kurz verwirrt. Ich hatte mich doch genau dafür registriert, wieso also sollte ich nein sagen, wenn jemandem meine Stammzellen helfen könnten.
Den darauf folgenden Tag musste ich einen langen Fragebogen, den ich per Mail erhalten hatte ausfüllen.
Und dann kam das Päckchen. Darin waren zwei kleine Kartons mit allen nötigen Utensilien, um mir Blut abnehmen zu lassen und eine Probe an die DKMS zu senden. So schnell wie möglich.

Freitag morgen, 6 Uhr.
Eigentlich ist das überhaupt nicht meine Zeit. Selbst wenn ich wach werde, drehe ich mich noch mal um und versuche noch ein bis zwei Stunden zu schlafen. Doch letzten Freitag war das unmöglich..
Ich war hell wach! Ab 7:30 Uhr kann man bei meinem Hausarzt zum Blutabnehmen kommen. Ich glaube es war nicht mal halb 8 also ich schon in der Praxis stand. Mit meinen zwei kleinen Kartons in meinen Händen.
Man muss dazu sagen: ich HASSE Blutabnehmen und Spritzen und Nadeln im Allgemeinen.
Jeder lacht immer, wenn ich das sage, da ich Piercings und ein Tattoo habe. Aber das ist irgendwie was Anderes…
Ich kam zum Glück direkt dran und konnte mir keine weiteren Gedanken über die Nadeln machen.
Nach 5 Minuten war das ganze Spektakel dann auch schon wieder vorbei und ich konnte gehen.
Es war ein sehr seltsames Gefühl mein Blut zur Post zu bringen..
Die Kosten werden im Übrigen von der DKMS übernommen.

Am Telefon sagte man mir, dass es bis zu 3 Monaten dauern kann, bis klar ist ob ich ein passender Spender bin oder nicht.
Eine lange Zeit, denn die Stammzellentransplantation ist für viele Patienten die letzte Hoffnung.
Ich machte mir viele Gedanken über das „Was wäre, wenn…“
– ich nicht passend bin? Gibt es dann jemanden, der passender ist (hoffentlich).. oder gibt es dann niemanden, der dem Patienten als Spender helfen kann?
– ich spenden kann? Welche Methode der Spende würde bei mir angewendet werden? Die Entnahme aus dem Blut oder doch mit OP aus dem Beckenkamm?
Die beiden Methoden werden auf der Seite der DKMS sehr schön in einem kleinen Zeichentrickfilm beschrieben und auch in den Broschüren und auf der Website steht alles genau erklärt.
Fragen über Fragen und doch wusste ich gar nichts.

Heute
Als ich eben nach Hause kam, checkte ich wie immer erst mal meine Emails.
Da war sie. Eine Email von der DKMS. „Das ging aber schnell“ dachte ich mir grade. Wahrscheinlich sagen sie dir jetzt, dass du als Spender nicht in Frage kommst.
Im Anhang eine PDF Datei.
Ich hatte etwas Angst, die Datei zu öffnen. Aber da ich ja so neugierig und ungeduldig bin, musste ich einfach.
„…und zeigt, dass Sie als möglicher Stammzellspender für diesen Patienten tatsächlich in Frage kommen könnten.“
Uff. Bis September bin ich nun nicht im internationalen Suchlauf, da ich nun tatsächlich als Spenderin in Frage komme und „reserviert“ bin.
Irgendwie muss ich darüber lachen. Ich bin für einen Patienten reserviert.. 😀
Ich dürfte nun auch kein Blut spenden gehen bis dahin, doch da kommt mir meine Angst vor Nadeln ja zu Gute, denn das habe ich mich sowieso noch nie getraut.

Ich glaube das ist der Beginn einer spannenden Reise, egal wie das Ziel auch aussehen mag.
Sobald ich Neuigkeiten habe, werde ich den Beitrag ergänzen.
Mir ist es wichtig, Leute darauf aufmerksam zu machen. Die Registrierung geht so schnell und werden so dringend gebraucht!
Viele meiner Freunde wussten nicht, dass ich dort registriert bin und waren ganz fasziniert davon. Einige hatten sich noch nie mit dem Thema auseinander gesetzt und sich direkt online informiert. Andere hatten schon davon gehört, aber sich nicht getraut. Und einige wenige sind so wie ich registriert und haben ebenfalls schon Post bekommen- leider ohne Erfolg.
Ich weiß nur grob, was auf mich zukommen könnte.
Klar gibt es auch für mich Risiken und Schmerzfrei wird diese Reise nicht laufen.
Doch wer weiß, wie lange mein Stammzellempfänger schon leidet und wie viel Zeit ihm/ihr noch bleibt? Für mich ist es kein Opfer, das ich bringe.
Einige Stunden auf dem Stuhl sitzen und Blut abgezapft zu bekommen oder eine 1stündige OP, von der ich ja sowieso nichts mitbekomme. Und selbst die Schmerzen oder die OP sind nichts im Vergleich zu einem Leben.

Habt noch einen feinen Tag!
Eure

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